Freunde des smac e.V.

RÜCKBLICK: AUF ARCHÄOLOGISCHER SPURENSUCHE IN BERLIN

Unter dem Motto „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ machten sich 19 Mitglieder der „Freunde des smac e.V.“ am Freitag, den 13.2. auf den Weg in die Hauptstadt. Unsere Reiseleiterin Jutta Böhme hatte die Fahrt gut organisiert und im Vorfeld allen Reiseteilnehmern das interessante Tagesprogramm per E-Mail zukommen lassen.

Alle Exkursionsteilnehmer waren um 7.30 Uhr zum Einstieg in den Bus bereit und nach einer entspannten Busfahrt mit kurzem Stopp zur Erledigung menschlicher Bedürfnisse kamen wir gegen 10.15 Uhr in Berlin an der Ausgrabungsstelle auf dem Molkenmarkt an. Hier wurden wir sehr freundlich von dem Mitarbeiterteam des Landesdenkmalamtes um Eberhard Völker empfangen und zur Führung in 2 Gruppen aufgeteilt und erhielten spannende Informationen.

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Dort, wo einst Berlin-Cölln im 13.Jahrhundert seinen Ursprung hatte, graben die Archäologen das Landesdenkmalamtes seit 2019 eine 22.000m² große Fläche aus. Am Molkenmarkt in Berlin-Mitte, dem ältesten Platz der Stadt wurden bisher über 700.000 Fundstücke freigelegt.

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Sogar Funde aus der Jungsteinzeit konnten geborgen werden, wie eine ca.4000 v.Chr. geschaffene Amphore. Freigelegt wurde auch ein mittelalterlicher Bohlendamm (der wohl ältesten Straße von Berlin), ein kleiner Schatz aus Silbermünzen und Kleinfiguren aus Ton aus dem 13. Jahrhundert sowie diverse Alltagsgegenstände bis 1800. Ein besonderer Fund war 2025 ein Depot mit kleinen Keramikstatuetten wohl aus dem 14.Jahrhundert, die vermutlich als Reliquien dienten. Bei den Grabungen wurden viele Latrinen entdeckt, die zahlreiche Funde freigaben mit Hinweisen auf das Leben der Bewohner im Mittelalter. Die Archäologischen Grabungen sollen noch bis 2027 fortgeführt werden. Sie sichern historische Spuren, die in ein neues Stadtkonzept eingearbeitet werden sollen. Es ist vorgesehen, ein modernes Wohnquartier mit verkehrsberuhigten Bereichen und attraktiven Einzelhandels- und Kulturangeboten zu aufzubauen und zu gestalten.

Nach der Führung am Ausgrabungsfeld besuchten wir unter der Führung von Frau Dr. Judith Schachtmann und Herrn Ken Thömel den Bereich der Fundbearbeitung im Landesdenkmalamt Berlin. Hier werden alle Funde gesäubert und katalogisiert. Eine sehr aufwändige Arbeit, die auch durch freiwillige Mitarbeiter des FSJ und des BFD unterstützt werden kann. Das Spektrum der Fundbearbeitung:           

  • Fundverwaltung und Inventarisierung Wissenschaftliche Fundauswertung
  • Dokumentation
  • Restauratorische Maßnahmen
  • Qualitätssicherung

wurde uns an den praktischen Objekten sehr anschaulich vermittelt. Für die Beantwortung der Fragen der Exkursionsteilnehmer wurde sich auch Zeit genommen.

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Nach diesem interessanten Programm entspannten wir uns in der „Zille-Stube“, einem Berliner Originalrestaurant bei Speis und Trank.

Nach der Mittagspause wurden wir im PETRI zur Führung erwartet.Im PETRI (Archäologie Lab bzw. Archäologisches Besucherzentrum) wurden wir von Dr. Anne Sklebitz, der Leiterin des PETRI Berlin, begrüßt und fachkundig durch das Haus geführt. Die Einrichtung ist eine bundesweit einzigartige Kooperation des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen Berlin und des Landesdenkmalamtes Berlin. Es lädt dazu ein, in die faszinierende Welt der Archäologie einzutauchen und das archäologische Erbe von Berlin kennenzulernen. Der Name PETRI wurde für dieses Archäologie-Labor gewählt, um auf den Petriplatz als ältesten Grabungsort der Stadt Berlin hinzuweisen. Hier wurden bei Ausgrabungen Überreste der mittelalterlichen Petrikirche, der Lateinschule und andere frühe Spuren der Stadt entdeckt. Wir durften das Haus unter Begleitung von Frau Dr.  Sklebitz vom Untergeschoss bis in die oberste Etage erobern. Nach einer Einführung in die Entstehung des PETRI besuchten wir das Untergeschoss mit den ausgegrabenen Mauern der Lateinschule und den Informationen zu den Ausgrabungsergebnissen der letzten drei Petrikirchen. Wegen der Konservierung des historischen Mauerwerkes ist hier die Raumtemperatur sehr niedrig.

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Diesen eindrucksvollen Raum verließen wir dann um uns in wärmeren Etagen die interessanten archäologischen Verfahren und Ausstellungen anzusehen.

Die Einteilung der Etagen ist aufgegliedert in:

  • Erdgeschoss:               Archäologie in Berlin
  • Obergeschoss 1:         Fundbearbeitung
  • Obergeschoss 2:         Restaurierung
  • Obergeschoss 3:         Magazin
  • Obergeschoss 4:         Schaumagazin
  • Obergeschoss 5:         Ausblick auf die Stadt und Veranstaltungen

Wir erfuhren sehr viele interessante Details zu den Fundstücken und deren Restaurierung.

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Seit 16. Oktober 2025 werden im PETRI verschollene Kunstwerke der Klassischen Moderne als spektakuläre Bodenfunde unter dem Titel „Der Berliner Skulpturenfund“ ausgestellt. Diese Skulpturen wurden 2010 bei den Ausgrabungen in den Trümmern eines Wohn- und Geschäftshauses in der Königsstraße gefunden. Das Reichspropagandaministerium hatte in diesem Haus die Einlagerung dieser Kunstwerke als „Entartete Kunst“ im Jahr 1941 verfügt.

Der Besuch im PETRI Berlin war sehr beeindruckend.

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Die „Schnuppertour“ in diesem Haus hat sich sehr gelohnt. Ein längerer Aufenthalt in diesem Haus als Einzelbesucher ist auf jeden Fall empfehlenswert! 

Nach all den eindrucksvollen Erlebnissen traten wir dann nach 15.00 Uhr die Heimreise an und erreichten Chemnitz nach reibungsloser Rückfahrt gegen 18.15 Uhr. Es war eine rundherum gelungene Exkursionsfahrt. Ein herzliches Dankeschön an unsere Organisatorin Jutta Böhme im Namen aller Exkursionsteilnehmer!

Text: Regina Quaas

Bilder: Tina Michel